Grenzenlose Pornosucht

14.09.2004, männlich (31 J.), anonymisiert

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Hallo

Ich möchte Ihnen auch ein Bekenntnis-Schreiben schicken. Ihre Seite hat mir sehr geholfen und es liegt mir viel daran, dass ich anderen darüber berichten kann, bitte behandeln Sie die Sache anonym (keine email-Adresse). Danke., Tom, 31 Jahre, aus der Schweiz.

Grenzenlose Pornosucht:
Hier nun der Versuch, der Weg in meine Pornosucht zu beschreiben:
Als ich in meiner ersten eigenen Wohnung im 1997 erstmals einen Zugang zum Internet hatte, bin ich ziemlich schnell auf Pornoseiten aufmerksam geworden. Zuvor beschränkte sich die Befriedigung durch das Ausleihen von Porno-Videos in der Videothek. Ich war wohl schon damals eher ein besserer Kunde der Videothek.

In der Sekundarschul-Zeit war ich einer der Aufgeklärtesten, wenn es um Pornos ging und war auch sehr bewandert wie man sie als nicht 18-Jähriger beschaffen konnte. 1997 Zu Beginn meiner Internet-Zeit war ich noch ein unerfahrener Surfer und dementsprechend war alles neu. Schon in meiner ersten WG habe ich es mir zu Gewohnheit gemacht, wenn ich am Abend nach Hause kam und alleine war, so eine halbe Stunde nach Bildchen zu surfen (damals waren die Verbindungen noch langsam und Filme gab es nicht).

Manchmal vergingen auch zwei Stunden vor dem PC wie im Fluge. Ich merkte es gar nicht. Ich onanierte jeweils mehrere Male hintereinander. In dieser Zeit machte ich auch die Bekanntschaft von diversen Vorlieben & Fetishes (Mature, Slaves, Big Breasts, Small Breasts, Latex/Rubber, BDSM, Midgets, Shemales, Teenies, Gays (obwohl ich nicht im Ansatz homosexuell bin) etc. etc.). All dies übte eine extreme Faszination auf mich aus und der Drang nach mehr nahm stetig zu. Schon nach kurzer Zeit merkte ich, dass ich es eigentlich gar nicht mehr um die Lust als solches ging, sondern dass es ein Zwang wurde, einfach noch schnell ein paar Bilder (später mit zunehmender Bandbreite auch Videos) meiner fein säuberlich geordneten Bibliothek hinzuzufügen. Kinder und Tiere waren nie Teil dieser Faszination, obwohl man als süchtiger Pornosurfer zwingend über solche Inhalte stolpert. SM dagegen schon.

Es gab Zeiten, da habe ich das Internet auf sehr exzessive Weise verwendet. Manchmal 6 Stunden am Stück sinnlose Click- und Abspeicher-Orgien. Und mit der zunehmenden Bandbreite stieg das Angebot und aus Bildern wurden ganze Spielfilme, welche man kaufen/abonnieren oder downloaden konnte. Wie ein Wahnsinniger habe ich "Material" gesammelt; wohlweislich, dass ich das nie alles anschauen oder konsumieren konnte, geschweige denn geniessen konnte. Bald kam ich nicht mehr nach, alle 8 Stunden waren wieder neue Seiten mit neuen Bilderserien verfügbar, welche ich haben musste. Ich merkte auch, dass ich süchtige Tendenzen zeigte, weil ich nach den Ferien oder nach einer längeren Zwangspause (Bsp. Ferien) mich schon auf der Rückreise freute, wieder nach Porno surfen zu können. Während der Ferien selber war die Abstinenz jedoch überhaupt kein Problem (was ja eigentlich kein typisches Suchtverhalten ist).

Teilweise kam das Material von Promo- oder Hacker-Seiten, meistens habe ich es mittels Abonoments über die Kreditkarte erworben. Ich hatte manchmal 5 Abos gleichzeitig und habe total den Ueberblick verloren. Als ich am Ende des Monates meine Visa-Rechnung bekam, habe ich alle Internetdienste, welche aufgelistet waren, auf der Seite des Service-Anbieters mit gutem Vorsatz gecancelt. Im Monat drauf wars wieder gleich. Es zog mich immer wieder vor meinen PC, auf dem sich mittlerweile Tonnen von Pornobilder und -Filmen gesammelt haben (nicht nur die SM filme, auch herkömmliche Pornos, in anderen Sprachen, französische, Tschechische, grosse Busen, kleine Busen, Asiatinen, Schwarze Frauen, Gang-Bangs etc. etc.).

Es gab Zeiten, da richtete ich mir es so ein, dass ich am Abend wo meine WG Kollegen nicht zu Hause waren, extra nicht ausging, nur das ich in aller Ruhe surfen konnte. Diese Surf-Sucht war meistens gepaart mit Kanabis-Konsum. Sobald ich einen Joint geraucht hatte, zog es mich magisch an meinen Computer.

Schon das Einwählen des damaligen analogen Modems zog mich in den Bann (es klingt absurd, aber so war es). War eine Seite abgehakt oder abgegrast, verlinkte sie auf 'zig neue. Das Angebot ist unendlich. Und ich entwickelte ein unglaublich feines Gespür für Spam und Werbe-Inhalte und wirklich nutzbare Seiten (Seiten mit Bildern in Grossformat oder Filmen). Und nach ein bis zwei Stunden, wenn die Sucht gestillt war, die Faszination nachliess und ich duschen ging, hatte ich diese elende Leere in mir. Ich schwor mir, es nie wieder zu tun. Es vergingen keine 24 Stunden und ich sass wieder davor. Und ich war ein egoistischer Surfer.

Ich habe nie in Foren gepostet, Bilder geteilt. Ich war viel zu viel beschäftigt mit dem "Absaugen" von Inhalten. Am Ende hatte ich Saug-Sessions und Sortier-Sessions; Lust war schon lange keine mehr vorhanden. Auch hatte ich nie das Verlangen, in einem SM-Studio die härteren Spielweisen in die Wirklichkeit umzusetzen. Die Sucht bestand mehr aus dem Besitzen und Sammeln, denn nach permantenter Sucht nach Orgasmen oder sexuellem Verkehr. Ständig auf der Suche nach dem perfekten Bild.

Ich begann mich selber dafür zu hassen! Mein Selbstwertgefühl litt enorm und es gab Zeiten, da konnte ich gewissen Menschen nicht mehr in die Augen schauen, weil ich mich so sehr dafür schämte, wie abhängig ich von diesem sinnlosen Kram war. Da ich jedoch keine Angst zu haben brauchte, entdeckt zu werden, gab es auch keinen äusseren Druck, damit aufzuhören. Die Zunahme der Sucht äusserte sich nicht nur darin, dass ich mehr konsumierte, sondern auch darin, dass ich extremere SM-Inhalte und andere nahe an der Grenze zur Illegalität zu konsumieren begann (Obwohl keinerlei Vorliebe oder Vernlagung für solch Inhalte vorhanden ist). Lust oder Vorliebe spielte schon lange keine Rolle mehr. Ich sammelte sogar Gay-Videos, obwohl ich nicht im Ansatz homosexuell veranlagt bin. Nur noch der Drang nach mehr neuen Gesichtern, Körpern und Szenen, welche ich in meiner Bibliothek einordnen konnte. Ich spielte mir immer vor, dass dies ja nicht unnatürlich wäre, weil es im weiten Netz Millionen von Männer gibt, die das gleiche tun (muss wohl so sein).

Obwohl ich mich so sehr dafür hasste, drehte die Spirale immer noch schneller und schneller (Chats oder Posting-Boards oder geschriebene Geschichten haben mich nie interessiert, nur Bilder und Videos) Und ich hasste und schämte mich immer mehr dafür.

Mir selber zugegeben, dass ich ein Suchtverhalten entwicklet habe, konnte ich so nach ca. 2 Jahren im Jahre 1999. Interssanterweise (im Gegensatz zu den meisten meiner Leidensgenossen (http://www.porno-frei.ch/, www.sexsucht-hilfe.de) nahm meine Lust nach echtem Sex mit Frauen nie ab.

Auch übertrug sie sich nicht in die wirkliche Welt, d.h. Ich hatte keine exzessiven Bordell-Besuche oder eine Affäre an der anderen etc. Vor meiner jetzigen Beziehung hatte ich eine dreijährige Beziehung und einige Affären. Es gab allerdings Zeiten, da hatte ich Mühe eine Erektion zu bekommen, weil ich mich so schuldig fühlte, all dies hinter dem Rücken meiner Freundinnen und Partnerinnnen zu tun.

Ich ekelte mich vor mir selber. Konnte ich die Schuldgefühle verdrängen, hatte ich auch Lust. Auch wenn ich meine Vorlieben für BDSM zu einem gewissen Teil in meine Beziehungen und Affären habe einfliessen lassen (immer mit der expliziten Zustimmung der Partnerinnen), hatte nie das Bedürfnis, diese extremen Praktiken (Urin, Peitschenhiebe mit Strimen, Elektro-Sex etc.) im gleichen Ausmasse mit meinen Partnerinnen zu verwirklichen. Es war meine eigene Welt und die sollte es auch bleiben. Ich habe bis heute beide Welten (die Porno-Welt des Internets und das wirkliche Liebesleben mit meinen Partnerinnen) sehr gut unter einen Hut gebracht.

Der Spass nach richtigem (normalem) Sex ist nie vergangen.

Nur ein einziges Mal habe ich mir überlegt, professionelle Hilfe beizuziehen. Ich habe es dann aber sogleich wieder verworfen und habe mich darauf beschränkt, auf einer Selbsthilfe Homepages (wie die oben beschriebene) Hilfe zu holen. Im Dezember 1999 habe ich dann nach einem exzessiven Surf-Trip in einer Kurzschlussreaktion meinen PC verkauft und den Internetanschluss abbestellt. Ich war fast 6 Monate ohne Anschluss zu Hause (im Geschäft und in der Schule hätte ich ja nie gewagt, nach Pornos zu surfen). In der Zeit ging es mir wirklich bedeutend besser und ich war auch Stolz auf die Pornofreie Zeit. Ich fühlte mich gesünder und auch mein Selbstwertgefühl stieg wieder. Ich hatte seit langer Zeit wieder eine Morgenerektion oder eine Erektion, wenn ich eine schöne Frau auf der Strasse sah.

Ein Freund von mir bot mir 6 Monate nach dem Verkauf an, einen Computer mit Ihm selber zusammenzubauen. Ich wurde schwach und schlug zu, bereits schon wieder mit dem Wissen im Hintergrund, dass ich bald schon wieder meiner Leidenschaft fröhnen konnte. Und es begann alles von Neuem. Seit ich seit September 2003 mit meiner Freundin zusammenwohne, haben die Internet-Streifzüge erheblich abgenommen. Die in 8 Jahren auf mehrer 100 GB angesammelte und von Festplatte zu Festplatte mitgeschleppte Bibliothek blieb bestehen und ich überlegte nur einmal kurz, sie zu löschen, brachte es jedoch einfach nicht übers Herz. Die Streifzüge durchs Internet blieben auch bestehen, wenn auch nicht so exzessiv, jetzt halt einfach an den Tagesablauf im Haushalt mit meiner Freundin angepasst.

Zum Schluss gab es sogar Zeiten, wo ich mich auf die eine Art "zwingen" musste, an den Computer zu sitzen, auf der anderen Seite konnte ich es auch unter keinen Umständen lassen. Es ist schwierig, diese Gefühle und Verlangen in Worte zu packen.

Ich weiss nicht, wie lange es noch weitergegangen wäre, ich nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Mit einem grossen Bang ist alles aufgeflogen. Ein entsprechender Schock für mich und meine Freundin. Meine Freundin hat nicht im geringsten etwas davon geahnt. Wir hatten und haben ein gesundes und zufriedenes Sexualleben. Ich brachte immer beides unter einen Hut.

Jetzt wo ich ganz tief unten angekommen bin (und zum Glück eine sehr verständnisvolle Partnerin hab), möchte ich endlich davon loskommen.

Den Computer und den Internetanschluss habe ich von zu Hause verbannt und ich möchte die Sache bei einem Psychologen aufarbeiten. Denn eigentlich weiss ich aus der 6 Monatigen Porno-Freien Zeit, wie schön eine Morgenerektion und die Vorfreude auf Sex ist. Es war fast eine Erleichterung, dass es so gekommen ist, wie es gekommen ist.

Tom.




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