Ich bin online-sexsüchtig!

Forumsbeitrag 29.06.04, männlich, anonymisiert

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Hallo!

Kurz und prägnant: Ich bin online-sexsüchtig, und vor allem bin ich sehr daran interessiert mit "Leidensgenossen" näher in Kontakt zu kommen und zu "unserem" Thema offene Gespräche zu führen! In erster Linie denke ich dabei an E-Mails bzw., noch besser, auch an MSN Messenger (meinen Nick verrate ich gern per Mail); dabei kommen auch etliche Dinge zur Sprache die den Rahmen eines solchen Forums bei weitem sprengen würden - und es gibt wahrscheinlich immer das eine oder andere Detail das man lieber mit Menschen bespricht die es nicht nur verstehen, sondern auch nachvollziehen können...

Ein solcher Gedankenaustausch hilft ungemein dabei sich selbst besser zu verstehen (bei mir ist das zumindest so), ergibt sich aber in den unendlichen Weiten des Webs extrem selten. Im Lauf der Jahre habe ich im Internet zwar etliche (offensichtlich) "Betroffene" kennengelernt, z.T. auch sehr intensiv - in aller Regel schämten sie sich aber viel zu sehr dafür als dass sie hätten zugeben können (auch vor sich selbst) dass sie damit ein Problem haben...

Aber jetzt zu mir. Chat-Sex u.ä. hat mich nie auch nur im geringsten interessiert, meine "Einstiegsdroge" waren erotische Fotos. Die so oft geschilderte Sammelwut kenne ich sehr gut: Der Jagdtrieb eines extremen Augentiers, und nur das Jagen zählt, nicht die Beute... Nicht auf einer täglichen Basis - es gab immer Phasen der "Entwöhnung" - aber in intensiven mehrtägigen Schüben die z.T. ein für mich (nachher!) erschreckendes Ausmaß annehmen konnten. Nicht wahllos, sodern mit einem unwiderstehlichen Drang danach Fotos aufzustöbern die mit den (recht vielfältigen) erotischen Bildern in meinem Kopf übereinstimmen, oder ihnen zumindest nahe kommen - in etwa wie ein fanatischer Briefmarkensammler der immer wieder auf der Suche nach Marken zu bestimmten Themen ist, immer nur die jeweils aktuelle Seite seiner Alben betrachtet und jedes volle Album im Keller verstaut...

Diese "Themen" waren aber von Anfang an immer die gleichen, bzw. es steckten immer die gleichen (durchaus realen) Wünsche dahinter - die Fantasien die jeweils angeregt wurden kenne ich im Prinzip seit meiner frühen Pubertät, und ein Drang nach immer "Extremerem" oder "Abwegigerem" war nie zu bemerken; ich fand nichts was nicht schon seit jeher in mir gewesen wäre, ich suchte nicht nach ganz neuen "Kicks" (viele glauben ja dass das bei solchen Zwängen ganz grundsätzlich immer der Fall ist) sondern nach dem was mir aus meinem Kopf schon seit ewigen Zeiten vertraut war.

Meine Sucht hat dann übrigens bald eine etwas andere, ganz spezielle (und für die meisten wahrscheinlich ausgesprochen verblüffende) Form angenommen, die ich an dieser Stelle (noch?) nicht ausführlich darlegen möchte - einerseits um dieses erste Posting nicht zu sehr in die Länge zu ziehen, andererseits weil ich in einem öffentlichen Forum (zumindest jetzt noch) weitgehend anonym bleiben möchte und ein sehr detailreiches "Outing" in meiner speziellen Situation eine Spur zu viel über mich verraten könnte. (Klingt mysteriös, hat aber seine Berechtigung ;-)

Wie so vielen war auch mir jahrelang nicht bewusst dass ich schon seit längerem süchtig war (das liegt wohl in der Natur der Sache, viele Raucher merken es nie). Ich merkte aber schon früh dass sich tief dahinter verborgen bestimmte Obsessionen zu Wort meldeten die latent schon lange da waren, mir aber erst durch die Fotosammelwut (eher nebenbei und "assoziierend") bewusst wurden; nichts wirklich "Neues", aber kleine Variationen zum immer gleichen Thema, die sich fast zwangsläufig durch meine (eigentlich, auch sexuell, erfüllte) Beziehung mit einer besonderen Frau ergaben, die ich aber weitgehend verdrängt hatte... Ich neige seit jeher dazu sehr "tief zu blicken" und wissen zu wollen was hinter den Dingen steckt, und dadurch habe ich so einiges über mich gelernt (in dieser Hinsicht bin ich aber wahrscheinlich ein Ausnahmefall). Das ist, wenn man so will, die positive Seite - nicht der Sucht selbst, sondern meiner Beschäftigung mit ihr... Andererseits ist die Sucht an sich ganz einfach eine Sucht wie jede andere und muss als solche bekämpft werden...

Noch ein paar Worte zu meiner Person: Vor einiger Zeit habe ich beschlossen endlich einem alten Ruf zu folgen und bin jetzt angehender Psychotherapeut. Nicht um mich selbst zu therapieren, um Himmels willen - aber die Selbsterfahrungsstunden die zur Ausbildung gehören werden sich sicher noch als ein sehr willkommener Nebeneffekt erweisen.

Näheres demnächst. Ich freue mich über jede Reaktion, sei es im Forum oder per E-Mail - umso mehr wenn jemand in weiterer Folge zu einem privateren Gedankenaustausch bereit ist!

LG Gerhard

PS: Falls euch interessiert was mein Nick bedeutet: Noodles ist die Hauptfigur eines tiefsinnigen Sergio Leone-Films (Once Upon a Time in America) der für mich einen versteckten und ganz persönlichen Bezug zum Thema hat...









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