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Drucken 03.11.2003   16:54 Uhr

Internetsucht

Im Netz der Netze

Sie gefährden alles: Beziehung, Vermögen, Job, Gesundheit. Und sie bekommen nicht viel mehr dafür als warme Worte von Unbekannten in den anonymen Quasselbuden des Internets, oder weitere Bilder von den immer gleichen öden Pornoszenen. Sie lassen sich einfach treiben in den Myriaden Seiten des Weltnetzes. Sie sind – onlinesüchtig.

Von Helmut Martin-Jung

 
 
Chatforum im Internet

Chatforum im Internet

 

Bis zu zwölf Prozent der Internet-Nutzer in Deutschland zeigen nach Einschätzung von Experten Tendenzen, die in Richtung Sucht gehen. Manche davon aber sind so tief abgetaucht in die irreale Welt aus Bits und Bytes, dass sie sich aus dem realen Leben völlig verabschiedet haben.

Hilferuf

Gabriele Farke kennt dieses Gefühl: Die EDV-Schulungsleiterin war dem Internet selbst verfallen. „Ich kann mir ein Leben ohne Internet absolut nicht vorstellen, es ist so etwas wie mein Zuhause geworden, ich habe alle meine Freunde dort, und ohne Internet will und kann ich nicht leben“ – so wie in diesem Mail-Hilferuf eines Schülers war es auch der heute 48-Jährigen ergangen.

Sie konnte sich jedoch befreien vom Zwang, Mails zu schreiben und ständig in den chatrooms präsent zu sein. Sie muss ihre Urlaubsorte nicht mehr nach dem Hauptkriterium checken, ob es ausreichend Internet-Cafés gibt. Sie nimmt reale Menschen wieder als Freunde und Diskussionspartner wahr und nicht als Störenfriede.

Nicht jeder hat aber die mentale Kraft, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf aus Einsamkeit und Selbstbetrug zu ziehen. Professionelle Hilfe täte Not, doch damit sieht es noch schlecht aus. Obwohl das Problem seit Mitte der Neunziger Jahre in den USA bekannt ist, gibt es hier zu Lande erst wenige wissenschaftliche Studien, die sich überhaupt mit dem Thema befassen.

Weitgehend unbekannt

Aber auch wenn deren Erkenntnisse alarmierend sind: In der breiten Öffentlichkeit ist das Phänomen Onlinesucht weitgehend unbekannt und fachkundige Therapeuten gibt es nur wenige. 1999 gründete Farke eine Selbsthilfegruppe, die mangels Unterstützung allerdings wieder eingestellt werden musste.


 
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Nun hat sie ein Buch geschrieben: „OnlineSucht – wenn Mailen und Chatten zu Zwang werden“. Erschütternde Beispiele von Abhängigkeit werden darin geschildert. Da ist der Teenager, der sich nicht mehr traut, sich von seinem PC zu entfernen (es könnte ja ein Mail eintreffen, das sofort beantwortet werden muss), da ist der 84-Jährige, der sich im Netz 40 Jahre jünger macht und den endlich keiner mehr für senil hält.

Eine eigene Welt

Da sind die Erwachsenen, die unter dem Schutz der Anonymität in Online-Foren einräumen, dass sie abhängig sind von Chats mit sexuellem Inhalt oder vom Herunterladen von Pornobildern und -filmen: „Ich verlor den Bezug zu dem, was normal und was krank“, erzählt ein Betroffener, „das Schlimmste war, dass ich meine eigene Welt vor meiner Freundin baute. Ich war im Internet, sie kam rein und schnell war meine Hose zu und der Rechner aus“.

Da ist die biedere Hausfrau, die sich, ohne es recht zu wollen, aber auch ohne richtig nein zu sagen, nach Kontaktversuchen übers Internet als „Sub“ vorfindet, als Unterwürfige, die sich als Sexsklavin auspeitschen und mit dem Rohrstock prügeln lässt.

Da sind die Zocker, die nicht mehr lassen können von den Versteigerungen, auch wenn sie das Zeug, das sie da ersteigern, eigentlich gar nicht gebrauchen können.

Quer durch alle Altersgruppen und Schichten kann es jeden treffen, der entsprechend veranlagt ist: „Es gibt Menschen, die sich den Konsum des Internet nicht einteilen können beziehungsweise nicht damit aufhören können“, zitiert Farke den Erlanger Psychologen Dr. Bernad Batinic.

Auslöser Einsamkeit

Schuld daran ist freilich nicht das Medium Internet, so Batinic: „Um süchtig zu werden, müssen bestimmte Vorschäden bereits vorhanden sein. Schließlich werden auch nicht alle Menschen, die Alkohol trinken, automatisch zum Alkoholiker.“

Bei den meisten scheint Einsamkeit zu sein, die sie in Abhängigkeit treibt, eine Art von Unfähigkeit zur gewöhnlichen Kommunikation mit gewöhnlichen Menschen. Doch das Eintauchen in bloß noch virtuelle Beziehungen macht die realen Probleme nur noch schlimmer: „Anstatt mit ihrer Partnerin an einem Problem zu arbeiten, leben diese Männer ihre Fantasien in einem Chat-Raum aus“, so der US-Psychologe und Sexualwissenschaftler Alvin Cooper, der für den Onlinedienst MSN eine großangelegte Umfrage zum Thema Online-Sexsucht leitete. Sein Schluss: „Die Folge davon ist dann, dass Probleme im wirklichen Leben nie richtig gelöst werden“.

Zurück zu finden zum normalen Leben, dazu will Farkes Buch beitragen mit Schilderungen Betroffener, aber auch mit vielen konkreten Tipps und mit Fragebögen, mit denen jeder selbst feststellen kann, ob er schon zum Kreis der Onlinesüchtigen gehört.

Menschen, die vom Internet abhängig sind, eint das Gefühl, endlich Menschen gefunden zu haben, die sie ernst nehmen: „Das Internet ist mein einziger Freund“, schrieb der 19-Jährige Finne, der im Oktober 2002 eine Bombe in einem Einkaufszentrum zündete und sechs Menschen mit sich in den Tod riss.

Doch es ist eine Scheinwelt, und es sind Scheinbekanntschaften, die in den Chat-Räumen aufgebaut werden. Der tolle Hecht aus dem Chat ist vielleicht doch nur ein gewöhnlicher Mittvierziger mit Glatze und Bauchansatz.

Oder, wie es ein ehemaliger Abhängiger formuliert: „Aber mal ehrlich: Leben ist doch was anderes!“

______________________

Gabriele Farke: "OnlineSucht - wenn Mailen und Chatten zur Sucht werden". Kreuz Verlag, 177 Seiten, 14,90 Euro.

(sueddeutsche.de)



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