Bericht der RHEINISCHEN POST vom 15.06.1999:
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Langenfeld (RP).
Die weite, faszinierende Welt des Internets - manch einem wird sie zum Verhängnis.

Nämlich dann, wenn er oder sie ohne das Netz nicht mehr leben kann: Online-süchtig. Gibt's das überhaupt?

"Ohne Internet ging für mich gar nichts mehr. Während morgens noch die Kaffemaschine lief, habe ich den Rechner eingeschaltet, um die neuen E-mails abrufen", erzählt Gabriele Farke, eine Frau, die es wissen muß. Rund zwei Jahre lang hat das Internet ihr Leben, ihren Alltag bestimmt. "Während der Arbeitszeit mußte ich mich richtig zusammenreißen, weil ich mit einem Kollegen im Büro saß. Sobald er das Zimmer verließ, habe ich meine Mails abgerufen. Chatten ging natürlich nicht", erinnert sie sich. Seit rund einem halben Jahr hat sie ihre Sucht im Griff. Heute kann sie das Netz und seine Vorteile für sich nutzen.

1996 bekam sie ihren Internet-Anschluß und blieb schnell in Chats hängen. "Innerhalb von vier Wochen war ich süchtig", erzählt Gabriele Farke. Damals war sie alleinerziehende Mutter einer Tochter. Auch für sie war die neue Welt der Mutter schlimm. "Als Online-Süchtiger kapselt man sich immer mehr ab, die Realität tritt in den Hintergrund, man hat neue Freunde", beschreibt Farke den Suchtzustand. "Bei einem Aufenthalt in Zürich habe ich extra nach einem Internetcafé gesucht, um wieder in die Online-Gemeinde zu kommen."

Während ihrer Abhängigkeit hat sie zwei Bücher geschrieben: "Sehnsucht Internet" und "Hexenkuss". Erst das zweite Buch half ihr, ihre Abhängigkeit zu überwinden. Während der Auseinandersetzung mit ihrer Krankheit wurde sie fähig, Ratschläge anzunehmen. Dazu gehörte auch, den Rechner in einen separaten Raum der Wohnung zu stellen und über die Online-Stunden Buch zu führen. Zwei Tips, die sie auch anderen Abhängigen empfiehlt.

Betroffene und deren Angehörige will sie bald ohnehin stärker unterstützen. In Langenfeld wird der bundesweit erste Verein "Hilfe zur Selbsthilfe für Online-Süchtige (HSO)" gegründet. Ziel des neuen Vereins wird sein, Online-Süchtige wieder in das öffentliche Leben und ein reales, soziales Umfeld einzugliedern. Gespräche innerhalb einer Gruppe sollen Abhängigen und Angehörigen helfen.

Verein bietet keine Therapien

"Wir können natürlich keine Therapien anbieten. Im Vordergrund steht der Erfahrungsaustausch", erklärt Gabriele Farke. Angesprochen sind aber auch Ärzte, Krankenkassen, Rechtsanwälte, Therapeuten oder Banken. >=Bislang stoßen Online-Süchtige in Deutschland auf wenig Verständnis. In den USA ist die Krankheit bereits als solche anerkannt." Auch dieses Bild will der Verein ändern. Deswegen sollen über Deutschland verteilt möglichst viele Ortsvereine entstehen. Denn die Abhängigen sollen off-line, also persönlich, die Bewältigung ihrer Probleme angehen.

"Wir können die Süchtigen ja schließlich nicht übers Netz beraten. Schließlich sollen sie den verantwortungsbewußten Umgang mit dem Internet wieder lernen. Einen völligen Verzicht können wir nicht gutheißen", erklärt die Autorin. Das Projekt HSO wird im übrigen auch wissenschaftlich begleitet. Bislang ist die Resonanz auf den neuen Verein riesig. "Erste Ortsvereine werden sich wahrscheinlich in Wiesbaden und Erkrath gründen."

Die Gründungsversammlung beginnt am 18. Juni, ab 18 Uhr, im Bistro Balou, Carl-Leverkus-Straße 6, 40764 Langenfeld.
Kontaktaufnahme ist unter (0212/2642810) oder e-mail gfarke@zentral.de möglich.
Weitere Infos zum Verein gibt's im Internet unter www.onlinesucht.de.

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