Ein Problem der Zeit: Online-Rollenspiele (z.B. World of Warcraft)
In letzter Zeit häufen sich die Hilferufe von Eltern, deren Kinder vom Monitor nicht mehr wegkommen, da sie in ein Rollenspiel vertieft sind. Hier wird besonders häufig das zur Zeit wohl beliebteste Rollenspiel „World of Warcraft (WOW)“ genannt. Betroffene Eltern wissen, was gemeint ist. Da die Kids bei diesem Spiel unter einem Gruppenzwang stehen, werden sie innerhalb einer sogenannten Gilde zur Anwesenheit massiv unter Druck gesetzt. Fast erinnert das Verhalten der Spieler und deren „Vorgesetzten“ im Spiel schon sehr an militärischen Drill. Dennoch: Nicht das Spiel ist es, das süchtig macht, sondern es liegt ein Fehlverhalten eines Anwenders vor. Und das sollte allen Eltern klar sein, denn hier sind auch sie gefordert; der einfache Fingerzeig auf einen Spielhersteller ist da zu einfach! Uns ist wichtig, dass SIE als Eltern verstehen, was eigentlich mit den jungen Leuten da im Internet passiert. Besser als wir es je beschreiben könnten, machen es Auszüge aus Bekennerschreiben von direkt Betroffenen klar:

Hallo,

ich heiße Sebastian, bin 17 Jahre alt und besuche ein Gymnasium, zumindest physisch, meine Gedanken schweifen meistens bei meinem Computerspiel World Of Warcraft. Ich langweile mich in der Schule fast zu Tode, aber alleine der Gedanke an dieses Spiel erreicht in gewisser Weise eine Befriedigung.

Am liebsten spiele ich PvP (player versus player). Das ist eine Möglichkeit, auf Schlachtfeldern gegen andere Spieler anzutreten und sie zu besiegen. Deswegen bin ich wahrscheinlich so vernarrt in dieses Spiel. Man hat keine Computergegner, die Gegner sind richtige Menschen, die denken, die voraussehen können, was ich als Nächstes vorhabe. Man muss sich Taktiken überlegen, Vorgehensweisen, die Spielweisen der Gegner analysieren, ihre Schwächen rausfinden und dann besiegen. Dafür wird man durch ein Ehrensystem belohnt. Und natürlich mit der Anerkennung anderer Spieler. Anerkennung, die mir im wirklichen Leben fehlt.

In der Schule ist mir früher immer alles zugeflogen, nie musste ich etwas für die Schule tun. Die Lehrer sagen, dass ich in jedem Fach mindestens 2 stehen könnte… aber ich bin zu faul, ich war es schon immer… Spielen ist viel einfacher, es macht Spaß, es befriedigt, es gibt sogar Energie. Man vergisst alles um sich herum. Vergessen ist oft ein Segen. Alle Probleme, denen man sich vorher stellen musste, sind scheinbar nicht mehr da. Man muss keine Hindernisse wie Faulheit überwinden, wofür ich mich quälen müsste, was ich nicht kann. Jetzt habe ich das Gefühl vergesslich zu werden, ich vergesse sogar dauernd, was ich vor 10 Minuten gesagt habe. Ich habe das Gefühl zu verblöden, immer kindlicher statt reifer zu werden.

Meine Eltern erkannten meine Sucht und bemerkten meinen starken Leistungsabfall. Sie haben mir zuerst Fristen gesetzt, dass ich zum Beispiel nur 3 Stunden spielen darf. Ich war nicht im Stande, mich daran zu halten. Ich habe sie belogen, was ich sogar jetzt in diesem Moment tue. „Ich hab noch nicht 3 Stunden gespielt.“ „Ich weiß nicht wie spät es ist und wann ich angefangen habe.“ Meine Eltern wussten es aber und haben mir kurz darauf das Spiel abnehmen wollen. Ich habe ihnen nur die CDs gegeben und sie sind in dem Glauben, ich könnte es nicht mehr spielen. Man braucht keine CDs. Ich vertraue meinen Eltern auch nichts mehr an, ich bevorzuge eher meine Freunde in diesem Spiel, die ich auch im wirklichen Leben kennen gelernt habe. Sie haben das gleiche Problem, unter ihnen ist jede Alterklasse zu finden.

Sogar ganze Familien sind dem Spiel verfallen, Vater, Mutter, Kinder… Es ist wie eine Seuche, die einen von innen auffrisst. Man weiß es, man weiß, dass es einen zerstört, aber man kann nicht mehr davon weg. Ich trinke Cola, um mich wach zu halten, um im Spiel nicht einzuschlafen (was mir einmal passiert ist). Ich habe ganz verfärbte Zähne bekommen.

Meine Familie leidet unter mir, sie kritisieren mich den ganzen Tag, wollen mich kontrollieren. Besonders nach diesen Auseinandersetzungen habe ich erhöhtes Verlangen, zu spielen. Ich denke nicht, dass mir jemand helfen kann, auch wenn dies behauptet wird, das muss ich selber tun. Aber es wäre wie eine tiefe Wunde, die ich mir selbst zufügen müsste und das kann ich nicht. Die Qualen wären zu groß.

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Hallo

Kurz zu mir:

Ich habe mit 14 Jahren angefangen WoW zu spielen. Nach 1 1/2 Jahren konnte ich dann endlich aufhören … oder doch nicht …?

Ich weiß nicht genau, was ich machen soll. Seit das Spiel draußen ist, spielte ich es mit meinem Bruder (an 2 PCs, wir konnten also zusammen leveln etc.). Am Anfang hat es ja noch Spaß gemacht, die ersten Schritte, das lachen im TS wenn jemand vom großen Baum fällt und unsanft landet usw. usw., maximal 4 h am Tag gespielt. Doch ein halbes Jahr später waren es bei uns mindestens 8 h am Tag während der Schulzeit, wir hatten bereits 2 60er Charaktere..

Mein Bruder konnte plötzlich aufhören, irgendwie von einem Tag auf den anderen und ging mit seinen Kumpels weg usw (Anmerkung: Er ist 18).Doch bei mir war es anders, ganz anders. Ich weiß nicht warum aber ich spielte noch länger, ..viel länger, mittlerweile war ich 15 Jahre alt und hatte meinen ersten Rang 10 Charakter. 16 h (16 Stunden!) spielen am Tag während den Ferien waren nix besonderes. Ein neuer Realm kam raus. Mich, als eingefleischten „Playerkiller“ zog es natürlich auf diesen, und innerhalb 20 Tage nach dem Release war ich 60, 2 Monate später nochmal Rang 10.(Mittlerweile ist es Juni, also gut mehr als ein halbes Jahr später nach dem ersten Rang 10er). Irgendwann meinte mein Bruder mal, ich solle was mit ihm und seinen Freunden machen. Ich liebe meinen Bruder, er sorgt sich immer um mich, vielleicht hat er meine Sucht erkannt und mich deswegen mal gefragt. Dann, ich glaube es waren 2 Wochen später, meinte er ich sollte meinen Account doch verkaufe, .er sei ja nun einiges wert. Ich gebe zu, ich habe nicht mehr viel gespielt (2h am Tag) aber ich weiß nicht ob es endgültig vorbei ist, ohne dem Spiel würde ich mich bestimmt langweilen :-/.Ich gehe mittlerweile jeden Tag mit paar Freunden in einem Jugendtreff, Billiard spielen für 2 – 4 h. Meistens von 15.00 bis 19.00 Uhr. Aber sonst? Nix..

Ist das noch die Sucht, die mich zum Spiel zieht oder die Langeweile?

Edit:
Vielleicht sollte ich noch etwas zur Schule sagen. Ich gehe noch immer aufs Gymnasium und habe einen Schnitt von 3,3…vor WoW 2,6 :-/.., weiß nicht ob’s was zur Sache tut .

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Hallo,
ich heiße Petra und habe einen 22Jahre alten Sohn, der seit über 3 Jahren am Computer sitzt und spielt, alles andere ist nur noch Nebensache. Ich bin mit meinen Nerven völlig am Ende und weiß nicht mehr was ich noch machen soll, komme nicht mehr an ihn ran.

Es hat alles angefangen nach Abschluss seines Lehrberufes. Er wurde nicht übernommen und saß nur noch am Computer. Leider kenne ich mich nicht so aus, weiß nicht was er da spielt, was ich weiß, es wird nur geschossen und es sind viele Spieler online dabei, das geht täglich ca. 16.00Uhr los und endet früh um 6.00Uhr, wenn ich zur Arbeit muss.

Die Folgen sind katastrophal, es kann mit ihm kein normales Gespräch geführt werden, er ist nur genervt und gereizt, da man Ihn ja beim Spielen stört. Er hat keine großen Pflichten zu Hause, etwas Müll wegbringen, sein Zimmer aufräumen und sein Geschirr abwaschen, aber das wird schlichtweg immer vergessen. Ein gemeinsames Essen gibt es nicht mehr, alles Geschirr wird im Zimmer gebunkert bis die Schränke leer sind und ich dann mal richtig Krach machen muss, dass endlich dieses vermüllte Zimmer mal aufgeräumt wird. Aber es ist über Tage ein Kampf bevor etwas gemacht wird. Unregelmäßiges Essen und eine ungesunde Ernährungsweise kommt dazu.

Um eine Arbeit kümmert er sich auch nicht, wie denn auch, er muss ja am Tag schlafen. Alle Behördengänge muss ich Ihn immer in Erinnerung rufen. Es läuft nichts mehr. Auf Gespräche, wie gesagt, lässt er sich nicht mehr ein, enden immer so, dass wir uns anschreien und Dinge sagen, die uns später leid tun. Auch die Beziehung zu meinem Lebenspartner ist dadurch sehr schlecht geworden, die gegenseitige Verachtung zwischen Ihm und meinen Sohn ist so fortgeschritten, dass mein Sohn mir jetzt Vorwürfe macht, warum ich mich nicht schon vor Jahren von Ihm getrennt habe, er hätte dadurch keine schöne Kindheit gehabt und mein Lebensgefährte wirft mir Inkonsequenz gegenüber meines Sohnes vor.

Es ist ein Teufelkreis und ich weiß nicht mehr weiter. Mein Sohn soll doch nur seine Pflichten wahrnehmen und es würde alles etwas ruhiger zu gehen, nur das will er nicht einsehen. Da er selber für die Onlinekosten aufkommt und sich mit 22 Jahren nichts mehr sagen lassen will, weiß ich jetzt nicht mehr, wie ich weiter verfahren soll. Er bekommt Harz vier, bezahlt aber keine Miete und denkt, dass er dies auch nicht braucht.

Handelt nur noch zu seinem Vorteil und rücksichtslos. Er hat eine Hauptschulabschluss und hat vor zwei Jahren versucht seinen Realschulabschluss nachzuholen, auch dies hat nicht geklappt, wegen seiner Spielsucht. Keine Zeit und immer müde, deshalb brach er auch diesen Versuch, bessere Chancen im Leben zu haben, ab. Die Arbeiten die er mit seinem Abschuss (Teilezurichter) bekommen würde, will er einfach nicht machen, da er was in der Computerbranche machen möchte, aber er hat keinen Ehrgeiz sich wirklich zu kümmern, um vielleicht, doch auch eine Chance zu bekommen, müsste er sich doch besser bemühen, es kommt ja keiner ins Haus und sagt, hallo komm, wir brauchen Dich. Aber das will er nicht begreifen.

Ich hoffe, Sie können mir einen Rat geben, was ich tun soll, wie komme ich wieder an Ihn ran um wenigsten mal ein normales Gespräch zu führen. Mein Lebensgefährte, sagt ich sollte ihn rausschmeissen, dass er mal auf eigenen Füssen stehen muss, aber das kann ich doch nicht einfach machen, ich möchte nicht, dass er das Gefühl bekommt, dass ich Ihn verstoße und nicht mehr liebe. Was meinen Sie? Was soll ich tun? Vielen Dank für einen guten Rat.

Mit freundlichen Gruß eine verzweifelte Mutter. mfg
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Die Onlinespielsucht tritt zu 75 % bei Jugendlichen auf, meist bei den Jungens. Seitdem die Rollen- und Killerspiele „in“ sind, schlagen die Medien Alarm. Und nicht nur die Medien. Täglich melden sich bei uns Eltern, deren Hilflosigkeit grenzenlos ist. 12 bis 18 Stunden täglicher (!) PC-Spielsitzungen sind längst kein Einzelfall mehr. Wir empfehlen den Rat suchenden Eltern und Betroffenen, sich unbedingt diese Lektüre zu beschaffen:

Computersüchtig. Kinder im Sog der modernen Medien

Hier beweisen Prof. Dr. Hüther (ein bekannter Hirnforsche) und Herr Bergmann, dass ständiges Spielen am PC die Hirnstrukturen massiv verändert. Vor allem aber wird das Spiel WoW verständlich erklärt, und für Angehörige und Eltern ist es unerlässlich, verstehen zu lernen, was der Betroffene im Netz eigentlich macht – und … was ihm fehlt!

Noch ein Hilferuf, einer von mittlerweile Tausenden:

Hallo,
vorab: Ich wusste nicht genau in welches Forum ich das schreiben soll, daher hab ich das allgemeine genommen, sollte dies falsch sein, bitte ich um Entschuldigung. Warum ich hier schreibe? Ich muss es einfach mal loswerden!

Viele der Bekenntnisse hier auf dieser Seite erinnern mich an meine „alten“ Zeiten. Das Internet war für mich damals eher Informationsplattform. Sicherlich habe ich auch gechattet, aber mehr nebenher, habe ich jemanden „kennen gelernt“, den ich nett fand hab ich so schnell wie möglich versucht ihn/sie auch real zu treffen. (Natürlich nicht ohne mich vorher versichert zu haben, dass es kein irrer Mörder ist).

Als ich 17 war, lernte ich meinen Ex-Freund kennen. Nach einem Jahr trat er seinen Grundwehrdienst an. Ein Wochenende, erzählte er mir von einem ganz tollen Onlinegame, ich weiß nicht mehr genau welches es war, aber er verbrachte eigentlich alle folgenden Wochenenden am PC. Schon zu der Zeit hätte ich es besser wissen müssen, aber ich war naiv.

Nach Ende seines Grundwehrdienstes sind wir zusammen gezogen, ich dachte dann würde er vielleicht auch weniger am Rechner sitzen. Ganz im Gegenteil war er nun aber gar nicht mehr von der Kiste weg zu kriegen. Er hatte sein Arbeitszimmer zum Spielzimmer gemacht, an den Wänden hingen Karten von irgendwelchen Ländern des Spiels. Ich ging nicht in dieses Zimmer, was sollte ich ihm auch beim Spielen zusehen. Durch meine Ausbildung musste ich allerdings auch mal an den Rechner, dies ging natürlich nur mit 3maliger schriftlicher Anmeldung. Meistens konnte ich gar nicht ran, habe ich ihn einfach ausgemacht hat er mich beinah angegriffen. Also nahm ich sein Laptop er brauchte es schließlich nicht und setzte mich in die Wohnstube. Ich wurde immer unzufriedener, ich konnte nicht glauben, dass das schon alles war. Einer meiner Chat-Freunde erzählte mir da von einem super Browsergame, dass ich mir unbedingt mal ansehen sollte.

Ich spielte es sehr gern, aber auch das war für mich damals nur ein Spiel. Keine ernste Sache. Bis ich die verschiedenen Kommunikationsformen (IRC, Skype, TS usw.) entdeckte von da an war ich nicht mehr allein in meinem Wohnzimmer, ich war Teil einer Community. Ich hatte Freunde… im Spiel zwar, aber ich kannte sie besser als jeder andere und sie kannten mich. Ich saß manchmal bis 1 oder 2 Uhr Nachts am Spiel, bin dann morgens auf Arbeit, in die Berufsschule ging ich so gut wie nie, war ja auch nicht so wichtig. Jede freie Minute verbrachte ich ab jetzt auf dem Sessel in meinem Wohnzimmer. Wäsche waschen? Das kann ich auch morgen noch… Duschen gehen? Ja Moment ich schreib noch schnell was zu ende… Es ist komisch das zu zugeben, aber ich war ein richtiges Schwein zu der Zeit. Aber Warum? Ganz einfach. Im Internet war ich wer… in dem Spiel gab es gewisse Stufen die man erreichen konnte. Je höher die Stufe, je höher das Ansehen. Innerhalb von 8 Monaten hatte ich die höchste Stufe erreicht. In jedem Chan wurde ich mit Freude begrüßt. Ich wurde geachtet, ich wurde gemocht, ich wurde respektiert. Genau das, was ich immer wollte. Beliebt sein. Es war wie auf einem Mordsmäßigem Trip. Im Real haben mich meistens alle gehänselt, ich war ein Niemand. Aber im Spiel war ich ein JEMAND.

Mit meinem Freund lief schon lange nichts mehr, wir haben Schluss gemacht in beiderseitigem Einverständnis… Ab und zu klopfte ich mal an seine Tür um zu hören, ob er noch am Leben war. Es klingt wirklich erschreckend, aber genau aus diesem Grund klopfte ich an seine Tür. Zu hören bekam ich „ich kann jetzt nicht“.

13 Monate lang ging das so. Mein Vater wusste nichts davon, er machte mir nur Vorwürfe, dass ich nie anrufe. Heute tut es mir leid, damals war mir das egal. Ich war zu der Zeit kein Mensch. Eines Tages, musste ich dann doch mal in das „Spielzimmer“, weil das Laptop nicht da war. Als ich die Tür aufstieß, kam mir der Brechreiz. Ich hatte das Zimmer schon seit mehr als 8 Monaten nicht mehr gesehen. Es war schlimmer als ich es mir je hätte vorstellen können. Es war ein Trampelpfad zum Schreibtisch, der Rest des Bodens war mit ca. ein Meter hohen Stapeln aus Müll bedeckt. Aber was für Müll. Altes MiKrowellenessen, verschimmelte Sacken überall. Verfaultes und Verwestes lag da rum. Zwei 10-Liter Eimer bis oben hin voll mit Zigarettenstummeln. Ich will gar nicht wissen, was das alles mal war. Es hat gestunken, das ist einfach unbeschreiblich. So schnell ich konnte habe ich die Tür zugeschmissen und ging ins Wohnzimmer. Ich sah auf meinen Sessel und den kleinen Tisch davor. Man sah deutlich wo das Laptop noch gestanden hat. Ein überfüllter Aschenbecher, sonst nur Dreck. Kein Dreck auf dem Boden, aber auch das war schon ganz schön schlimm. Die Küche quoll über von alten Müllbeuteln. Da stand ich, stinkend, in meiner stinkenden Wohnung und sah aus dem Fenster. Draußen hörte ich ein paar Kinder spielen, und da wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass irgendwas nicht richtig läuft. Ich wusste nicht was, aber irgendwas habe ich falsch gemacht, das wusste ich.
Zuerst ging ich Duschen, kramte alle meine Sachen zusammen und klingelte bei meinem Vater. Ich wollte nur noch da raus. Meine Vorstellung war damals. Ich kann mich ja bei meinem Vater einnisten und da weiter spielen. Ich habe wirklich nicht einen Moment daran gedacht, dass ich danach süchtig bin. Ich habe scherze darüber gemacht und andere ausgelacht die mir geschrieben haben sie hören auf und am selben Tag wieder angefangen haben.
Meine Vorstellung war jedoch nicht wirklich umsetzbar. Zum Einen hatte mein Vater nicht die nötige Internetgeschwindigkeit und ich hatte auf einmal auch gar keine Zeit mehr. Montag war Arbeitstag, da wurde das Haus geputzt, Dienstags war Skatabend bei Nachbars… usw. Ganz ohne es zu wissen, hat er mich aus dem Sumpf gezogen, ich habe ihn oft gefragt, er hatte wirklich keine Ahnung. Ich bin ihm unendlich dankbar, dass er mich damals nicht wieder rausgeschmissen hat (Ich war wirklich schlecht drauf)…

Aber auch da wusste ich noch nichts davon. Denn ab und zu fand ich auch ein paar freie Minuten, klar, dass ich sofort ins Internet ging. Doch gleich nach dem ersten mal habe ich es sein lassen. Ich wurde nicht herzlich empfangen, meine „Freunde“ haben mir vorwürfe gemacht, warum ich am verabredeten Zeitpunkt nicht da war, warum ich mein Acc einfach unbeaufsichtigt lasse usw. Ich erkannte, dass die Welt, die ich mir geschaffen hatte, nicht das war, was ich immer dachte. Ich erkannte, dass ich mir was vorgemacht habe und da habe ich zum ersten mal den einen Satz gedacht: „Ich bin süchtig“.

Seitdem sind 4 Jahre vergangen. Ich spiele nun das Spiel wieder… ab und zu… nebenbei, weil es Spaß macht. Wenn ich meine alten „Freunde“ wieder online treffe, Chatten wir ein paar Minuten. Über das Real. Wie es ihm/ihr geht, was er/sie so macht… nicht über das Spiel. All das hab ich aus meinem Kopf für immer verbannt. Mein Ex-Freund? Er ist mittlerweile seit 2 Jahren Tot. Er hat sich aufgehangen, als er kein Geld mehr hatte.

Manchmal treffe ich vollkommen Fremde auf der Straße, die sagen „Hey bist du nicht die und die und warst Admin bei soundso?“… „Nein bin ich nicht, sie ist gestorben“, sag ich dann.

Ich bin beides, ich habe erlebt wie es ist, mit einem Süchtigen zusammen zu leben und wie es ist, süchtig zu sein. Ich werde das nie wieder zulassen. Beides.

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Kinder und Onlinesucht …

…Was also läuft schief, wenn der Computer so einen hohen Stellenwert bekommt? Wie bemerke ich überhaupt, was mit meinem Kind los ist und ob es onlinesüchtig ist?

Erste Warnzeichen sind, …

wenn sich das Kind immer mehr zurückzieht

wenn das Kind nicht mehr seinen realen Hobbys nachgeht

wenn immer weniger Freunde auftauchen oder die Mahlzeiten nicht mehr mit der Familie, sondern vor dem PC eingenommen werden

wenn Kinder bei realen Aktivitäten lustlos sind

wenn sich Übermüdung und schulisches Nachlassen zeigt

wenn Schule geschwänzt wird

wenn Kinder nicht mehr mit ihren Eltern sprechen (Du verstehst mich ja eh nicht!)

Bereits ein computerfreier Tag zeigt, ob sich das Kind schon zu sehr an die virtuelle Welt gewöhnt hat. Damit Eltern solche Probleme auch wahrnehmen, sollten sie die Anwendung des Computers allerdings dauerhaft begleiten. Wichtig ist, dass Sie sich überhaupt darum kümmern, was Ihre Kinder machen!

Eltern sollten sehr bewusst auf das Verhalten ihres Kindes in der Anwendung der Neuen Medien achten! Wesentlich sind klare zeitliche und inhaltliche Absprachen für die Nutzung des PCs, deren Einhaltung auch kontrolliert werden muss. Hier liegt oft der Knackpunkt, denn Kinder haben keinen Anhaltspunkt, wenn die Eltern ihnen keine Vorgaben machen und keine Grenzen aufzeigen. Viele schauen lieber weg und reden sich ein, dass sich das Computerverhalten ihres Sprösslings „schon normalisiert“. Häufig sitzt das Kind dann aber schon in der Suchtfalle, aus der es ohne klare Ansagen nicht herausfindet. Wann freilich die übermäßige Handhabung eines Computers (von „Nutzung“ kann man dann schon nicht mehr sprechen) professionelle Hilfe von außen erfordert – etwa die eines Psychologen -, ist unterschiedlich. Auch hier sind Sie als Eltern gefordert. Sie erkennen in der Regel Online- oder Computerspielsucht eher als die betroffenen Kids selbst. Leider wird nicht früh genug reagiert, wenn sich erste Warnzeichen zeigen.

?? Unser Tipp:

Hier finden Sie ein empfehlenswertes Schutzprogramm, das auch für Kenner nicht so einfach zu umgehen ist (die meisten anderen sind nämlich für Ihre Kinder leicht zu knacken). Sie werden per Mail benachrichtigt, falls Ihr Kind versuchen sollte, sich außerhalb der vereinbarten Zeiten einzuloggen oder verbotene Seiten aufzurufen: www.salfeld.de. Aber bitte beachten Sie: Falls Sie die Software bestellen wollen, schreiben Sie uns zuvor, wir bieten Ihnen HSO-SONDERKONDITIONEN an! Verschenken Sie kein Geld und nutzen Sie dieses Angebot!  ??

Aber: Ein Kind, das mal länger am PC sitzt als normal, ist noch lange nicht süchtig. Medienberichten zufolge reagieren Eltern und Angehörige oft hysterisch, was jedoch nicht Sinn der Sache ist. Wird die stundenlange Computersitzung für den privaten Gebrauch (!) jedoch zur Gewohnheit, und die Gedanken beginnen auch in der computerfreien Zeit, sich ständig um das Computerspiel zu kreisen, ist Vorsicht geboten. Sucht und Gewohnheit liegen nahe beieinander. Eltern sollten mit ihren Kindern absprechen, wie viel Zeit am PC verbracht werden darf. Dabei sollte jeweils auch nach dem Zweck der Nutzung differenziert werden. Ein Beispiel: eine halbe Stunde für E-Mails, eine Stunde für Hausaufgaben-Recherchen, Hausaufgaben offline nach Bedarf, eine bis drei Stunden spielen. Ein PC sollte nur im Kinderzimmer stehen, wenn die Eltern sicher sein können, dass die Absprachen eingehalten werden und nicht etwa nachts gespielt wird, während die schlafenden Eltern ihr Kind in den schönsten Träumen wägen. Konsequenz ist hier wichtig. Denn Kinder brauchen Regeln!

Anhand des folgenden Fragebogens verschaffen Sie sich einen ersten Eindruck, ob Ihr Kind onlinesüchtig sein könnte:
Ist mein Kind internetsüchtig?

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Kinder werden häufig schon zur Mediensucht erzogen

7 % der 2-jährigen Kinder besitzen bereits einen eigenen Fernseher in ihrem Zimmer. Im Alter von 6-7 Jahren sind es schon 21 %, bei 12-13-jähringen Teenagern 56 %. Das ergab jetzt die Studie ‚Kinder und Medien‘ der ARD/ZDF-Fernsehkommission. Eltern neigen dazu, bei Neuanschaffung eines Fernsehgerätes die alte Glotze geradezu automatisch und völlig gedankenlos ins Kinderzimmer zu entsorgen. Ergänzt werden die Flimmerkästen meist noch mit Spielkonsolen und Computern.

Bei den 13-jährigen hat sich die Anzahl der eigenen Fernsehbesitzer seit 1990 verdoppelt. Fakt ist, dass Kinder diese für sie geradezu ideale Gelegenheit des ungestörten Zappens nutzen, um häufiger vor der Glotze zu sitzen. Teenager im Alter von 13 Jahren schauen im Gegensatz zu Gleichaltrigen, die keinen eigenen Fernseher in ihrem Zimmer besitzen, im Durchschnitt täglich 43 Minuten länger fern. Bei Kindern ohne eigenes Gerät berichtet die Studie von einem täglichen Fernsehkonsum von anderthalb Stunden.

Psychologen und Kinderärzte warnen vor den Folgen: Nicht nur Bewegungsmangel und Schulversagen sind zu erwarten, sondern auch eine schlechtere Entwicklung der sozialen Fähigkeiten. Prof. Hendricks, Medienpädagoge an der TU Berlin meint dazu: „Gerade Jungen schauen abends gerne Action und kommen morgens unausgeschlafen und gestresst in die Klasse.“ Er gibt Eltern den guten Rat, den Kindern frühestens im Alter von 12 Jahren einen eigenen Fernseher in dessen Zimmer zu gestatten, wenn überhaupt.

Da Krimonologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) untersucht derzeit, ob es einen Zusammenhang zwischen Fernsehverhalten und Schulnoten gibt. 1491 Schüler in Niedersachsen und Bayern im Alter von 12-16 Jahren wurden befragt. Die Ergebnisse dieser Studie stehen noch aus, aber soviel wurde bereits jetzt bekannt: Es ergibt sich quer durch alle Schultypen in Deutschland ein ähnliches Bild wie in vielen internationalen Studien: Kinder, die mehr als vier Stunden pro Tag fernsehen, haben schlechtere Noten als Kinder, die weniger vor der Glotze sitzen.

„Einen Fernseher sollten nur Kinder bekommen, die fest verankert sind im Leben, die Interessen und Freund haben, die oft rausgehen und die den verantwortlichen Umgang mit dem Medium gelernt haben“ meint Prof. Christian Pfeiffer, Leiter des KFN.

Der HSO 2007 e.V. schließt sich der Meinung von Prof. Pfeiffer absolut an. Mediensucht entsteht oft bereits im Kinderzimmer, und hier sind die Eltern in der Verantwortung, dies von Anfang an nicht auch noch zu fördern. Durch unsere geplanten Aufklärungskampagnen werden wir vor allem auch im Elternhaus Sensibilität wecken, die Kinder nicht aus purer Bequemlichkeit zur Medienabhängigkeit zu erziehen.“

Second Life

(ein Artikel von Gabriele Farke, 01.02.07)

Erschreckt Euch diese „zweite Welt“ nicht ebenso wie mich?

Hier wird von tüchtigen Geschäftsleuten ein 2. Leben geschaffen, das die Flucht aus dem Alltag ermöglicht. Second Life ist kein Spiel mehr, Second Life ist die Versündigung am Leben, so jedenfalls ist meine persönliche Meinung dazu.

Klar, es ist toll, was Menschen heute alles schaffen können. Es ist verführerisch, so zu sein, wie man es sich vorstellt. Gibt es die Möglichkeit des Klonens schon in Second Life? Genial, diese Idee, nicht wahr?

Ich bin schon jetzt davon überzeugt, dass wir er hier mit einer erschreckenden Zahl von Abhängigen zu tun haben werden, die erwachsen sind und denen unser einziges, richtiges Leben nicht mehr schmeckt. Ob Gott das alles so gemeint hat, als er uns schuf?

Die zusätzliche Gefahr im Vergleich zu bisherigen PC-Spielen ist die Möglichkeit, auch ganz real Geld zu verdienen, indem man seine Ideen in Second Life einbringt. Wozu noch aufstehen, Zähne putzen, mit Frau und Kindern reden? Sogar Sex gibt es in meinem zweiten Leben. Ein Mausklick genügt, und ich habe alle Chancen, alle Möglichkeiten der Welt. Und wer weiß, sollte ich in Second Life dann mal scheitern, wird es ein Third Life geben, ganz sicher.

Letzte Nacht träumte ich, ich solle einen Laden in Second Life einrichten, nein, eine Ladenkette. Es wäre eine Ladenkette namens „First Life“. Die einzelnen Läden hätten folgenden Firmenschilder wie: „Wiese“, „Tiere“, „Berührungen“, „Festlichkeiten“, „Menschlichkeit“, „Sterne“, „Geschmack“, „Geburt“ und „Mein Schöpfer“. In „Geburt“ und „Mein Schöpfer“ würden aber keine Spielhersteller ihre Genialität (?) vorstellen!!!!

Eines Tages werden diese Räume überlaufen sein. Unsere „Second Generation“ wird nicht mehr wissen, wie eine frisch gemähte Wiese riecht, wie eine Geburt vonstatten geht und wie ein Rumpsteak schmecken kann. Schon gar nicht, was ein Sozialstaat ist und was „Familie“ bedeutet im ursprünglichen Sinn. Ob es im zweiten Leben auch Pflegekräfte gibt? Essen auf Rädern und Suchtberatungsstellen?

Arme Welt, in der wir uns ein zweites Leben schaffen müssen, weil wir im ersten gescheitert sind!

Bitte lassen Sie es nicht so weit kommen, dass wir nur noch „mausgesteuerte“ Wesen sind. Manches, das erfunden wird, ist sicherlich genial und phantastisch. Aber würden diese Ideen nicht in einem Kinofilm, einer Fernsehserie besser untergebracht sein? Müssen die Menschen mit solchen Verführungen real aus ihrem Alltag gerissen werden, um diesen Irrsinn mitzumachen? Science Fiction live?

Gabriele Farke

Erste Hilfe bei Online-Spielsucht

Kinder und Jugendliche, die diesem Rollenspiel verfallen sind, LEBEN in diesem Spiel, in ihrem „erarbeiteten Charakter“ und mit ihren virtuellen Freunden und Gegnern. Sie haben viel Zeit damit verbracht, gewisse Führungs- und Vorbildfunktionen in dem Spiel angenommen zu haben, und es ist brandgefährlich, Sohn oder Tochter von jetzt auf gleich aus diesem virtuellen Wahn zu reißen! Nicht selten drohen Jugendliche in einem solchen Fall mit Selbstmord oder damit, von zu Hause auszureißen. Nehmen Sie diese Drohungen ernst, wir können es Ihnen nur eindringlich raten! Leider ist manchen Eltern der Vorwurf nicht zu ersparen, dass sie die Interessen und das veränderte Verhalten ihres Sprösslings schon viel eher hätten ernst nehmen sollen! Aber können wir unsere Kinder den ganzen Tag beobachten?
Dennoch kristallisiert sich in unseren Beratungen heraus, dass dieses Verbot oft gerade bei Spielsüchtigen – zumindest zeitweise – der einzige Weg ist, um den Betroffenen wieder in die reale Welt zurückzuholen. Das muss individuell entschieden werden, und im Zweifel holen Sie sich vor Ort therapeutischen und begleitenden Beistand!

Sollten Sie nicht sehr großes Glück haben und Ihr Kind jetzt von allein einsehen, dass sein Leben so nicht weitergehen kann, dann steht fest, dass die Kids sich irgendeine Möglichkeit schaffen, wieder online gehen zu können! Machen Sie sich nichts vor, wenn Ihr Kind oder Partner süchtig ist, dann kann nur der eigene Wille aus der Sucht führen! Oft wird diese Sucht bei Ihren Kindern und/oder Partner/innen immer noch verharmlost und beschönigt, aber wir fragen uns: „Worauf warten Sie denn noch?“
Unser Rat an alle verzweifelten Eltern ist, dass Sie mit Ihrem Sohn/ Ihrer Tochter in Ruhe sprechen und gemeinsam einen genauen Plan ausarbeiten! Zeigen Sie sich interessiert und lassen Sie sich mal erklären, wie das Spiel funktioniert und was den Reiz und die anscheinend ständige Anwesenheit Ihres Kindes (Partners) erfordert. Auch wenn es Ihnen schwer fällt, akzeptieren Sie, dass Ihr Sprössling und/oder Partner nicht auf das Spiel verzichten will (noch nicht) und vereinbaren Sie exakte Online-Zeiten! Bedenken Sie, dass hier nicht nur die Spielzeit, sondern auch die Zeiten für den E-Mail-Verkehr, fürs Chatten, für Hausaufgaben bzw. Weiterbildung etc. berücksichtigt werden müssen. Gehen Sie diese Zeiten gemeinsam durch und beginnen Sie, die Zeiten nach Absprache schriftlich auf dem Plan zu reduzieren! Ziehen Sie nach Ablauf dieser vorgegebenen Zeit die Tastatur ein und schließen Sie sie weg! Sie müssen hier konsequent sein, sonst bringt das gar nichts! Vertrauen ist gut, aber einem Süchtigen darf man nicht vertrauen, … kontrollieren Sie! Nicht ständig, aber ab und zu. Wir wissen, dass dies viel Arbeit und gute Nerven, vor allem aber auch Zeit und Zuwendung von den Eltern und Angehörigen erfordert. Aber fragen Sie sich, was Sie wollen! Wollen Sie Ihrem Sohn/Ihrer Tochter/Ihrem Partner wirklich helfen oder wollen Sie eigentlich nur Ihre Ruhe und jetzt rasch einen Königsweg finden, um den Betroffenen vom Spiel wegzubekommen?
Onlinespielsucht bei Kindern: Arbeiten Sie mit Belohnungen (z.B. eine Städtereise/ Bildungsurlaub, auf jeden Fall etwas, das in der REALITÄT stattfindet) und Bestrafungen (bitte kein Hausarrest, evtl. kommt Taschengeldkürzung in Frage?)! Streichen Sie in jedem Fall die monatliche Abbuchung für das Spiel! Sollte Ihr Kind schon über 18 Jahre alt sein, lassen Sie sich nicht damit abspeisen, dass er/sie ja „erwachsen“ sei. Solange Ihr Kind bei Ihnen und von Ihnen lebt, haben Sie nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, beim Ausstieg aus der Sucht zu helfen und hausinterne Regeln aufzustellen! Kommt Ihnen so etwas nicht bekannt vor aus Ihrer eigenen Kindheit? „Solange du die Beine unter meinen Tisch stellst, …..“ Aber Hand aufs Herz, hat es uns geschadet?

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