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NTERVIEW: GABRIELE FARKE | 11.05.2004


Süchtig nach Surfen


Gefangen im Netz - für eine Million Menschen in Deutschland ist die grenzenlose Freiheit im Internet zur Falle geworden: sie sind onlinesüchtig.


MOPO-Autorin Simone Deckner sprach mit Deutschlands Online-Suchtexpertin Gabriele Farke aus Buxtehude über den Ausstieg aus dem WWW.

MOPO: Frau Farke, Sie ärgern sich über den aktuellen T-Online-Werbeslogan "Ich leb Online", warum?

Farke: Bei einer Million Online-Süchtigen in Deutschland ist das wirklich eine schallende Ohrfeige. Wir werden mit unserem Verein (siehe Infokasten) massiv gegen diese Art der Werbung vorgehen.

MOPO: Woran erkennen Sie OnlineSucht?

Farke: Als süchtig gilt, wer privat mehr als 36 Stunden pro Woche surft. Die Leute verlieren den Kontakt zu ihren Bezugspersonen und hängen nur noch vor der Kiste. Sie erfinden auch Ausreden, um ihre Abhängigkeit zu vertuschen.

MOPO: Gibts da auch so eine Art Entzugserscheinungen?

Farke: Ja, das äußert sich oft mit einer großen Unruhe wie bei Glücksspielern. Online-Sucht ist aber nicht als Krankheit anerkannt. Das wollen wir ändern, damit die Krankenkassen die Behandlung bezahlen.

MOPO: Wer ist besonders gefährdet?

Farke: Alle Altersschichten. Die 15- bis 19-jährigen Jungen laden sich massenhaft Spiele herunter und können dann nicht mehr aufhören. Frauen ab 19 Jahren chatten oder mailen exzessiv. Ältere Herren verbringen viel Zeit mit pornografischen Inhalten.

MOPO: Was können Menschen tun, die nicht mehr aus dem Netz kommen?

Farke: Sie sollten zuerst den Rechner aus dem Wohnzimmer schaffen; irgendwohin, wo es ungemütlich ist. Sie können Tages- und Wochenpläne erstellen, die ihnen zeigen, wie oft sie online sind und ihre E-Mails abrufen. 50 Mal am Tag ist für einen Süchtigen gar nichts. Sie können sich auch einen Wecker stellen. Oder ein altes Hobby auffrischen. Online-Sucht ist ja, wie alle anderen Süchte auch, eine Flucht aus der Realität. Die Betroffenen suchen das Gefühl anerkannt und gebraucht zu werden.

MOPO: Sie waren früher selbst onlinesüchtig. Wie oft sind Sie heute noch online?

Farke: Wenn ich es an der Stundenzahl festmachen müsste, wäre ich auch heute noch süchtig. Ich arbeite wahnsinnig viel im Netz, weil ich die Betroffenen auch da abholen will, wo sie sind. Aber heute hat sich etwas Entscheidendes verändert: Wenn ich abends den Rechner runterfahre, habe ich nicht mehr das Gefühl, etwas zu verpassen.


Info:
INFOS ONLINE-SUCHT

Gabriele Farke aus Buxtehude ist Deutschlands Fachfrau für Onlinesucht. Die Buchautorin ("OnlineSucht", "Hexenkuss.de"), Trainerin und Moderatorin gründete das erste Online-Selbsthilfeforum für Internetsüchtige in Deutschland. Seit April ist sie stellvertretende Vorsitzende von Mediarisk International (www.mediarisk.de). Ziel des Vereins ist es, Mediensucht (Internet, SMS, Fernsehen) vorzubeugen und bereits Abhängigen zu helfen. Prominente wie Fritz Kuhn (Grüne) und Volksmusiker Patrick Lindner unterstützen den Verein. Eine Regionalgruppe in Hamburg ist geplant.

Weitere Links:
http://www.mediarisk.de/