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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2003, S. L40

Mit flirt-m@ils läßt sich die Sucht befeuern
Wie Sie im Internet ihr Glück finden / Von Hartmut Hänsel

Während Drogenkonsumenten und Alkoholabhängige regelmäßig ihren Anteil öffentlicher Aufmerksamkeit erhalten und Tabaksüchtige sich ihres Beitrags zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus rühmen, haben es andere Süchtige deutlich schwerer. Die Öffentlichkeit nimmt kaum Notiz von der Tatsache, daß die Zahl derer, die sich in die virtuelle Welt des Internets flüchten, beständig zunimmt. Gabriele Farke hat persönlich erfahren, welche psychischen, physischen und sozialen Einbußen jemand in Kauf nimmt, der zwanghaft im Internet surft, chattet oder mailt. Sie machte die bittere Erfahrung, daß sie bei ihrem Versuch, von ihrer eigenen Online-Sucht loszukommen, kaum Unterstützung erhielt, weil es in Deutschland für diese Art von Abhängigen praktisch keine Anlaufstellen gibt. 1999 gründete sie daher einen Selbsthilfeverein. Das vorliegende Buch soll das Phänomen der Online-Sucht bekannt machen und damit zu mehr Aufklärung und Vorsorge beitragen.

Der Leser kann den Grad seiner eigenen Gefährdung daran ermessen, ob auf ihn Aussagen zutreffen wie "Besuch ist eher lästig geworden, weil Sie doch viel lieber am Computer sitzen würden" oder "Ihnen macht der mangelnde Schlaf zu schaffen, und Sie sind erschöpft". Das Internet in seiner Vielfalt bietet unterschiedliche Suchtfaktoren an, von denen Gabriele Farke drei heraushebt: Das Chatten gewinnt seinen Reiz daraus, daß man auf Personen trifft, von denen man sich vollkommen verstanden fühlt und mit denen man sich stundenlang austauscht. Online-Sex ist eine Abwandlung des Chattens, bei der die Partner Lusterlebnisse erfahren, ohne die körperliche Anwesenheit des anderen ertragen zu müssen, aber auch das zwanghafte Betrachten von Bildern und Filmen gehört in diese Kategorie. Schließlich erwähnt sie noch das übermäßige Einkaufen und Ersteigern von Waren über Online-Anbieter, das in extremen Fällen zur Überschuldung des Users führt. Auf die Gefährdung durch Online-Spiele geht sie nur am Rande ein.

Die wenigen wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema Online-Sucht, die Gabriele Farke zitieren kann, lassen vermuten, daß drei, vielleicht aber auch zwölf Prozent aller Personen mit Internetzugang suchttypisches Verhalten zeigen. Welcher Schaden dadurch entsteht, läßt sich noch nicht absehen, die meisten Arbeitgeber wissen noch nicht einmal, wie viele Arbeitsstunden ihnen durch den Internetmißbrauch ihrer Mitarbeiter verlorengehen. Ein wenig mehr Bewußtsein für das Problem tut not. Wer täglich mehrere Stunden im Netz verbringt, sollte sein Verhalten zumindest einmal hinterfragen.

Das Internet verbindet Millionen von Menschen in kürzester Zeit. Richtig angewandt, kann man mit diesem Medium den Partner fürs Leben finden. Wie aber kann eine bindungswillige Frau diesen Mann erkennen und sicher von den Online-Süchtigen und Sexbesessenen unterscheiden? Gibt es ein Auswahlverfahren, das Murksmacher und dergleichen mit Sicherheit durchfallen läßt? Ellen Fein und Sherrie Schneider haben schon vor einigen Jahren in ihrem Bestseller "Die Kunst, den Mann fürs Leben zu finden" eine Reihe von Regeln abgeliefert. Ihre eigene Zusammenfassung lautet: "Es ist nun einmal so, daß Männer Herausforderungen lieben, deswegen muß eine Frau sich rar machen. Im Grunde sind die Regeln Verhaltensvorschriften mit der Garantie, daß sich ein Mann in eine Frau verliebt, nachdem er Interesse gezeigt hat. Allerdings muß er zuerst Interesse signalisieren, nicht sie."

Fein und Schneider haben die von ihnen aufgestellten Regeln jetzt auf die Partnersuche im Internet abgestimmt. Ihre fünfundzwanzig Regeln fürs Online-Dating erklären sich fast von selbst, wenn man ihren Gedankengängen über das Entstehen und Funktionieren von Partnerschaften zwischen Mann und Frau folgt. Frauen müssen sich einfach mysteriös geben und den Mann zappeln lassen. Dadurch werde die Frau zu einer Herausforderung für den Mann, der sich nur unter dieser Voraussetzung nachhaltig in sie verlieben könne. Einige der Regeln lauten: "Antworten Sie nicht zuerst auf die Annonce eines Mannes!" - "Warten Sie vierundzwanzig Stunden mit der Antwort!" - "Wenn er sich nach vier E-Mails nicht mit Ihnen verabredet - löschen, der nächste bitte!" - "Tauchen Sie zwischen den Verabredungen unter!" - "Hände weg von verheirateten Männern, auch im Internet!"

Fein und Schneider begründen ihre Verhaltensregeln mit dem Erfolg ihrer bisherigen Bücher und mit den begeisterten Rückmeldungen ihrer Klientinnen, tiefgreifendere Begründungen brauchen sie nicht. Als Mann fühlt man sich von den Autorinnen etwas herablassend behandelt, dennoch kann man sich vorstellen, daß die Regeln ihren Zweck durchaus erfüllen können.

Gabriele Farke: "OnlineSucht". Wenn Mailen und Chatten zum Zwang werden. Aus dem Englischen von Hainer Kober. Kreuz Verlag, Stuttgart 2003. 185 S., br., 14,90 [Euro].

Ellen Fein, Sherrie Schneider: "flirt-m@il". Die Kunst, den Mann fürs Leben im Netz zu angeln. Aus dem Amerikanischen von Heike Schlatterer. Kabel Verlag, München 2003. 285 S., geb., 16,90 [Euro].

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