graphik Diagnose: Online-Sucht
Durch Gruppengespräche mit den Betroffenen und deren Angehörigen will die neugegründete Selbsthilfegruppe erreichen, daß die Netz-Abhängigen wieder in ein soziales Umfeld eingegliedert werden.
Der Siegeszug des Internet ist nicht aufzuhalten. Allein in Deutschland gibt es mehr als acht Millionen Nutzer (User), die am erdumspannenden Datennetz hängen und darüber oft die Zeit vergessen. Kein Wunder also, daß es inzwischen auch immer mehr Menschen gibt, die vom Surfen regelrecht süchtig geworden sind. In Fachkreisen spricht man bereits von einer neuen Krankheit, dem Internet-Abhängigkeits-Syndrom (IAS). Studien haben ergeben, daß bis zu 12 Prozent der Internet-Nutzer hart an der Grenze zur Sucht stehen. Frauen um die 30 sind demnach besonders gefährdet. Seit 18. Juni gibt es im rheinländischen Langenfeld den ersten Verein für Netz-Abhängige. "HSO - Hilfe zur Selbsthilfe für Onlinesüchtige e.V." heißt die Initiative, die bei exzessivem Gebrauch des Internets Wege aus dem Netz weisen will. Ins Leben gerufen wurde die Selbsthilfegruppe durch Gabriele Farke, selbst ehemalige Netz-Abhängige, die in ihren Büchern "Sehnsucht Internet" und "HexenKuss.de" ihre Suchterlebnisse niedergeschrieben hat. Schwerpunkt der HSO sind Offline-Gespräche, durch die Onlinesüchtige wieder Spaß außerhalb der virtuellen Welt finden sollen. "Das bedeutet nicht den Entzug vom Internet", erklärt Farke, "sondern das Lernen eines bewußten Umgangs." Damit die Betroffenen bundesweit auch in unmittelbarer Nähe Anlaufstellen haben, sollen in naher Zukunft auch Ortsvereinen gegründet weden. Wer testen will, ob er vielleicht selbst gefährdet ist, findet im Internet zahlreiche Fragebögen. Neben einigen Joke-Tests bietet beispielsweise das Landesinstitut für Schule in Bremen an, das eigene Surf-Verhalten prüfen zu lassen. Auch das "Center for On-Line Addiction", gegründet von der amerikanischen Psychologin Dr. Kimberly S. Young, hat einen ernstgemeinten Test ins Netz gestellt, mit dem jeder überprüfen kann, ob er bereits ein Online-Junkie ist. Falls das Testergebnis eine Abhängigkeit zeigt, gibt's auch gleich Hilfe in der virtuellen Klinik. Etwas skurril: Die Therapiesitzungen finden dann per Mail oder im Chatraum statt. (AOL/mwi)

QUELLE: www.aol.de Veröffentlichung vom 28.06.1999 AOL-Startseite