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HSO e.V. Die erste Selbsthilfegruppe für Onlinesuchtgefährdete in der Bundesrepublik Deutschland

D/Computer/Internet

Leiden an einer Überdosis Internet - das neue Onlinemedium sucht seine ersten Süchtigen -
- von Johannes Frewel - Potsdam, 2. Juli (AFP) -
"Ich bin so richtig schön reingeschlittert und habe mich dann auch fesseln lassen", beschreibt Gabriele Farke ihren gut zweijährigen Internetlebenslauf, "mein reales Leben wurde mir gleichgültig". So wie die rheinländische Mutter haben auch andere Menschen zunehmend Probleme mit dem Onlinemedium. Ein harter Kern von Internetfreaks sitzt täglich stundenlang vor dem Bildschirm, um mit anderen in Chaträumen zu plaudern oder sich einfach nur durchs Netz treiben zu lassen. Sie sehen sich als erste Opfer der Internetsucht.

Psychoexperten von Universitäten untersuchen das Phänomen weltweit. Die jüngste Netzumfrage stammt vom Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie und Gesundheitspsychologie der Humboldt-Universität zu Berlin. Nach drei Tagen im Netz liegen bereits gut 2000 Antworten auf dem Uni-Server - ein Erfolg, mit dem niemand rechnete.

Die Berliner Psychologen wollen mit einer wissenschaftlichen Studie untersuchen, ob unter welchen Bedingungen das Phänomen Internetsucht nachgewiesen werden kann.

Andre Hahn, Diplompsychologe im Berliner Forschungslabor ist noch unentschieden, ob es sich bei der Internetsucht einfach nur um Kulturpessimismus gegenüber neuen Medien handelt oder dahinter möglicherweise eine ersthaftes Problem steckt. Nach amerikanischen Studien sollen bis zu 17 Prozent der Internetnutzer süchtig sein, eine Quote, die jedoch kein deutscher Wissenschaftler annimmt. Aus Untersuchungen über die Spielsucht wissen Experten, das Internet ist keinesfalls Ursache für Suchterscheinungen. "Das Medium ist austauschbar, die Ursache für Suchtneigungen liegt immer im Persönlichkeitsprofil", beschreibt Hahn.

Das Internet als Fluchtmöglichkeit aus der Wirklichkeit, in der andere Probleme nicht bewältigt werden können, auf diesem Grundsatz beruht auch die Arbeit von Selbsthilfegruppen für Internetsüchtige (http://www.onlinesucht.de). Gabriele Farke, Bundevorsitzende des Vereins Hilfe zur Selbsthilfe für Onlinesüchtige e.V. (HSO) betont, es gehe nicht darum, das Internet zu verdammen, sondern Suchtgefährdete zu einem verantwortungsvollen Umgang zu befähigen. Bundesweit will der Verein Selbsthilfeangebote als reale Anlaufstelle sowohl für Süchtige als auch deren Lebensgefährten machen. Betroffen sind nicht wenige Frauen, deren Männer verzweifelt Hilfe suchen, um ihre Lebensgefährtin wieder in die realen sozialen Kontakte zurückzuholen.

Psychologen warnen jedoch davor, jede intensive Internetnutzung in die Nähe von Suchtphänomenen zu bringen. Wer allerdings 80 Prozent seines Tageszeitbudgets im Netz zubringt und vergeblich versucht, seine Onlinezeit einzuschränken, kann sich in Suchtnähe bewegen. Weitere Symptome sind immer längere Internet-Verbindungen oder der Drang beispielsweise im Urlaub, unbedingt an einen Netzzugang zu kommen. "Das ist so, wie wenn sie frisch verliebt und vom Partner getrennt sind", sagt Hahn. Zur Sucht gehört allerdings auch, daß der Zeitpunkt überschritten sein muß, an dem das Internet Spaß macht. "Es darf keinesfalls nur ein Lusterlebnis sein", betont der Berliner Psychologe, "der negative Teil wie Ärger mit dem Lebensgefährten, der Familie und dem Arbeitgeber muß als Leiden bewußt erlebt werden".

Vor allem die engen sozialen Kontakte in Foren und Chaträumen können den Einstieg in die Internetsucht bedeuten. Oft sind Vertrauen und Offenheit unter den Chatteilnehmern in der virtuellen Welt sehr viel enger, als in der faßbaren Wirklichkeit. "Das ist das eigentliche gesellschaftliche Problem", sagt Frau Farke, "für das wir uns schämen müssen".

jfx/

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